"Unter Takt verstehen wir das Gleichmaß der Bewegungen in den drei Grundgangarten. Wer die Pferde in ihren natürlichen Bewegungen auf der Weide beobachtet, wird bei einem gesunden Pferd nur in seltenen Fällen Mängel im Takt feststellen können. Taktfehler entstehen meist erst durch die störende reiterliche Einwirkung. Taktfehler sind ein Grundübel für das Dressurreiten und müssen unbedingt abgestellt werden, wenn sich die weitere dressurmäßige Arbeit mit einem Pferd lohnen soll."
Jedes Pferd hat Takt, jedes.
Das ist recht einfach zu beobachten, man schaue sich nur ein freilaufendes Pferd an. Dabei
ist es belanglos, ob der Beobachter einen 0815-Huzulen (man verzeihe mir en Ausdruck) oder einen zukünftigen
GP-Kracher vor sich sieht. Mit vier sind alle schief.. und doch haben sie
Takt.
Bis der Reiter kommt.
Und sie bewegen sich im Gleichgewicht - logisch
eigentlich, weil andernfalls.. richtig - es würde einfach umfallen.
Bis der Reiter kommt.
Nun wirds kompliziert, für das Pferd.. und für den Reiter. Weil dieser nämlich
was tut, was er im Grunde nicht will - er bringt alles durcheinander - den
Takt, das Gleichgewicht und die Losgelassenheit. Viele Reiter kommen nun lobenswerterweise
auf die Idee, es dem Pferd ein bißchen einfacher zu machen, indem sie das
Pferd durch diverse sinnvolle Übungen vom Boden aus auf die zukünftige Bestimmung
als Reitpferd vorbereiten. Gut so.. das hierfür bereitstehende Repertoire
ist ja auch reichhaltig.
Unter dem Gewicht des Reiters zeigt das Pferd nun also gelegentlich Störungen im Gleichmaß der Gänge, weil es sich,
als natürliche Reaktion, verspannt. Der Takt und die Losgelassenheit sind
also erstmal futsch. Auch zeigt es mitunter in Kurven, aber auch auf der Geraden,
Gleichgewichtsstörungen. Es schwankt und eiert, jeder kennt das. Der Reiter
hat nun dafür zu sorgen, daß das Pferd seinen natürlichen Takt wiederfindet,
zufriedener daherläuft, sich wieder entspannt.. und somit die Losgelassenheit
wieder erreicht.
Wie das geht? Bei neundreiviertel von zehn Pferden geht das
am Besten auf großen Linien mit vielen Handwechseln und im Vorzugstempo. Das
ist das Tempo, das das Pferd wählt, wenn es die Wahl hat. Nun gibt es Pferde,
die rennen davon.. oder sie verhalten sich und kommen nicht vom Fleck. Beides
Mal ist die Verspannung der Grund und anfangs ist das normal. Wir benutzen
also unsere Stimme um beruhigend einzuwirken, oder wir benutzen sie, um 'treibend'
und motivierend einzuwirken.
Über kurz oder lang stellt das Pferd fest, daß
es sich - trotz des ungewohnten Gewichts, trotz des komischen Gefühls in den
Kurven, trotz den unsicheren Beinen des Reiters und trotz des komischen Dings
im Maul - einigermaßen frei und zwanglos, taktrein und losgelassen bewegen
kann.
Das dauert ein bißchen.. aber es kommt.
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